Norbert Rahn wurde 1958 in Arzberg (Oberfranken) geboren. Er lebt, arbeitet und schreibt heute im fränkischen Forchheim.

Erst 2015 begann er damit, sich intensiv für Lyrik zu interessieren und schließlich Gedichte zu schreiben – auch sein (2018 erschienenes) erstes Werk “Die Farbe der Zeit ist zartbitter” mit über fünfzig aus einem größeren Fundus ausgewählten Gedichten.
2019 erschien das zweite Buch “Geborgen im Netz der Zeit”.
2021 komplettierte Norbert Rahn seine lyrische Trilogie mit “Wo springt die Zeit wohl hin?”.
Darüber hinaus sind einzelne Werke des Autors in mehreren Anthologien zu finden.

Über seine Motivation zum Schreiben von Gedichten sagt der Autor heute Folgendes:

“Warum schreibe ich Lyrik? Die auf mich am ehesten zutreffende Antwort ist wohl:
Ich liebe die knappe, verdichtete Art mit dennoch ungeheurem Gedanken- und Gefühlreichtum eines guten Gedichts. Darüber hinaus – und entgegen dem Mainstream der modernen Lyrik – mag ich die Struktur gereimter Verse und die klassischen Rhythmen, die gerade aktuelle Gedanken in einem neuen, einem in der schnelllebigen Zeit ungewohnten Licht erstrahlen lassen.”

In diesem Netz der Verse, der Reime, der klassischen Rhythmen, da fühlen sich die Texte und oft auch die Gedanken des Autors wohl, ja sogar geborgen (sehr authentisch zum Buchtitel “Geborgen im Netz der Zeit” passend).

Das folgende Gedicht aus “Geborgen im Netz der Zeit” gibt die Motivation zum Schreiben von Lyrik aus Sicht von Norbert Rahn am besten wieder:

Ein Gedicht? Wozu das denn!

Vor langer Zeit, vor tausenden von Jahren
Fiel klugen Köpfen ein, dass es sich lohnt,
Bedeutsames für immer zu bewahren.
So blieben wir vor Schriften nicht verschont.

Doch welcher Dichter hat es denn gewagt
Und erstmals schriftlich Poesie verfasst?
Ein Pharao – poetisch sehr begabt –
Beschrieb die Gottheit bildhaft im Palast.

Soweit so gut – hier könnte ich nun enden.
Doch einst erschien die Muse, sprach zu mir:
“Lass es allein beim Lesen nicht bewenden,
Und bringe Strophen, Verse zu Papier!”.

Was fasziniert, was reizt uns an Gedichten?
Nur Lyrik kann mit Worten Szenen malen,
Nuancen der Gedanken neu belichten.
Sogar Banales darf hier Glanz verstrahlen.

Ein feines Werk mit kurzen Strophen, Zeilen
Vermag Gefühle – wohl verpackt in Bildern –
Dem Leser stark verdichtet mitzuteilen.
Wie viel lässt sich mit wenig Worten schildern!

Der Dichter lässt an sorgenvollen Tagen
Beim Schreiben all die Zweifel, Lasten gehen.
Wie durch’s Ventil entweichen Denkens Plagen.
Das Blatt wird sich zur Sonnenseite drehen.

Den lieben Menschen, die wir allzeit schätzen,
Die viel zu früh aus diesem Leben schieden,
Kann ein Gedicht ein würdig’ Denkmal setzen.
Sie bleiben unvergessen, ruh’n in Frieden.

Wer glaubt, durch Lyrik Reichtum zu erlangen
Und denkt, zu scheffeln damit die Moneten,
Dem ist das Kunstwerk Spitzwegs glatt entgangen:
Es zeigt den armen, frierenden Poeten.

Hat Reichtum, schnöder Mammon denn Gewicht?
Er schenkt nur kurz vermeintlich Sicherheit.
Wie wundervoll trägt jedoch ein Gedicht
Gedanken, Bilder in die Ewigkeit!

Seh’ ich ein leeres, weißes Blatt Papier,
Das fleht: “Oh bitte, lass mich nicht vergilben!”,
Bin ich vom Mitgefühl berührt, verzier’
Das Blatt mit fein gereimten Versen, Silben.

Und dann erblüht das Blatt, erglüht, erstrahlt,
Es kann, was seines Wesens ist, nun tun:
Was wohlgereimt im Seelenraume widerhallt,
Macht auf in’s All sich – in Kubiklichtjahres-Schuh’n.

© Norbert Rahn

Leser, die gleichzeitig zum Nachdenken und zum Schmunzeln anregende Texte aus dem Bereich der Lyrik suchen, werden sich selbst in den Büchern von Norbert Rahn wiederfinden, werden das Erblühen, Erglühen, Erstrahlen seiner Gedanken zwischen den Zeilen erleben.